Es ging gegen Weiterstadt um nix mehr – egal wer heute gewinnt, am Tabellenplatz würde sich nichts mehr ändern. Eigentlich. Aber erstens macht es den Mädels sauviel Spaß zu spielen – besonders wenn wir gewinnen. Außerdem würden wir bei einem Sieg heute eine ausgeglichene Sieg/Niederlage-Bilanz haben. Achja: dann war da vom Coach auch noch leichfertig als Prämie für einen Sieg gegen Weiterstadt ein Pizzaessen auf dessen Kosten ausgelobt.
Das Hinspiel in Weiterstadt war eine klare Sache für die Gastgeberinnen gewesen – allerdings konnten wir da grippebedingt nur mit 6 antreten, von denen zwei komplette Anfänger waren. Zu allem Überfluß hatte sich Lara M. auch noch einen Finger der rechten Hand geprellt und konnte kaum dribbeln und werfen. Die letzten Ergebnisse des durch Michelle Wörsdorfer verstärkten Weiterstädter WU13OL-Teams konnten einem ein mulmiges Gefühl im Bauch bereiten (34:92 in Hochheim, 6:102 in Wiesbaden). Wir mußten nach dem Hinspiel mit einer Ganzfeldpresse rechnen und hatten uns auch darauf vorbereitet.
Personell sah es bei uns heute gut aus: Sogar Shari hat die Gelegenheit genutzt, ihr allerletztes WU15-Spiel zu machen. Verstärkt wurden wir durch Emily aus der WU13, die wegen ihrer starken Auftritte in den letzten beiden Spielen sogar einen Startplatz bekam.
Wir begannen ohne Lara M. und Shari, also mit einer den Weiterstädtern sogar körperlich leicht unterlegenen Formation. Spielerisch kamen wir schnell in die Partie, aber in den ersten fünf Minuten konnten wir daraus kein punktemäßiges Kapital schlagen. So stand es zur 5 Spielminute 8:2 für die Gäste aus Weiterstadt. Dann hatten wir bis zum Viertelende allerdings einen 13:0-Lauf. Nina, die heute überhaupt erst ihr siebtes Spiel gemacht hat, schloß diesen mit zwei schönen Körben ab.
Beim Blick auf den Viertelstand von 15:8 mußte sich der Coach doch die Augen reiben um sicher zu sein, daß er nicht träumte. Im zweiten Viertel faßten die Gäste etwas besser Tritt. Trotzdem wuchs der Abstand kontinuierlich an. Besonders Lara M. war einfach nicht zu stoppen, wobei sie in dieser Phase ihre Körbe aber nicht als Brettcenter erzielte, sondern hauptsächlich im Dribbling 1:1. Zur Halbzeit stand es 36:24 – angesichts der Besorgnisse vor dem Spiel ein mehr als überraschendes Ergebnis.
Nachdem wir es im 2. Viertel sporadisch schon mal probiert hatten, spielten wir im dritten durchgängig Ganzfeldpresse. Obwohl wir auch tatsächlich vorne zahlreiche Bälle abfangen konnten und es den Gästen nicht gelang uns auszukontern, profitierten sie insgesamt doch eher davon, weil wir zuviele der sich daraus ergebenden Chancen verschusselten. Wenn es ihnen außerdem gelang, den Ball über die Mittelinie zu bekommen, klappte der Übergang in der Defense bei uns öfter nicht, weil ein oder zwei Spielerinnen kurzzeitig ihre Gegner aus dem Auge verloren. Schlimme Konsequenzen hatte das zwar nicht, aber man merkte schon, daß 2/3 des Teams die erste Saison spielt. Trotzdem gewannen wir auch dieses Viertel mit 15:14.
Im Schlußviertel wirkten die Gäste etwas müde. Auch bei uns ließ die Konzentration etwas nach. Doch auch das letzte Viertel der Saison ging mit 12:9 zum Endstand von 61:45 noch an uns.
Obgleich es für den Coach ein teurer Sieg wurde, überwiegt natürlich die Freude über den erfolgreichen Abschluß einer Saison, zu deren Beginn außer Fragezeichen nur Chaos und Streß gestanden hatten.
Nachdem das erste Saisonspiel genauso katastrophal verlaufen war, wie man es befürchten mußte, hat sich nach einem reinigenden Gewitter das verbliebene Miniteam enorm gesteigert und ist zu einer echten Mannschaft zusammengewachsen. Im Oktober und November kamen mit Lara K. und Nina noch zwei ziemlich talentierte, aber damals noch völlig unausgebildete Späteinsteiger dazu. Nun brauchten wir keine Aushilfen aus der WU13 mehr – abgesehen von Darleen und Lara M., die aber genauso zum Inventar der WU15, wie der WU13 gehörten. Lara M. hat als einzige Spielerinn sogar alle WU13 und WU15-Spiele bestritten.
Und man merkte, wie die in Training und Spiel sehr zuverlässigen 8-9 immer besser zusammengewachsen sind. Zum Schluß der Saison hat dann sogar Renée, die uns auch wegen des chaotischen Beginns der Saison in Richtung WU17 verlassen hatte, doch noch ein Spiel in der WU15 gemacht. Ihre kleine Schwester Emily, 1999, konnten wir auch am Ende noch überzeugen, daß wir nicht beißen und WU15 kein Hexenwerk ist.
Mit Corinna, Darleen, Lara M. und Renée haben wir schon jetzt vier starke Spielerinnen. Obwohl sie derzeit noch aus dem Team herausragen, wird der Abstand erkennbar kleiner. So hat z.B. Nina heute 12 Punkte erzielt. Und das nach gerade mal vier Monaten Basketballtraining und in der WU15.
Im Rahmen der augenblicklichen Möglichkeiten war das heute von allen ein tadelloses Spiel. Außer den Meister Darmstadt konnten wir jedes Gegnerteam mindestens einmal schlagen, Heppenheim sogar zweimal.
Bleibt für heute noch zu erwähnen, daß die Weiterstädter zu den symphatischen Gegnern gehören, die auch sehr faire Verlierer waren. Und ganz mit leeren Händen mußten sie auch nicht Nachhause fahren: Vor Spielbeginn kam es endlich zur längst überfälligen Überreichung des Wanderpokals – sie hatten als WU13 vor einem Jahr unser Frühjahrsturnier gewonnen.
Heute spielten und trafen:
Lara M (17, 4/1), Nina (12), Darleen (10), Corinna (7), Shari (6), Savina (5), Lara K. (4), Jacqueline, Lara P, Makis
